HTTP ist 25 Jahre alt. Happy Birthday!

Vor einem Vierteljahrhundert wurde die erste Webseite vorgestellt. Der Siegeszug des World Wide Web nahm seinen Anfang am Cern in Genf.

Wer ein Dokument aus dem Netz holen wollte, musste wissen, auf welchem Rechner dieses gespeichert war. Voraussetzung für das Herunterladen war zudem, dass man über den identischen Computertyp und die gleiche Software verfügte.

Genf als Geburtsort

Für die breite Masse war das nicht praktsich. Anfang der Neunzigerjahre waren weltweit erst rund 200’000 Computer ans Internet angeschlossen. Heute nutzen das Internet fast 3,5 Milliarden Menschen, knapp die Hälfte der Weltbevölkerung.

Ein wichtiger Faktor für die Erfolgsgeschichte war eine gemeinsame «Sprache», mit der am Internet angeschlossene PCs kommunizieren und Daten ausgetauscht werden konnten. Diese Sprache – das Hypertext Transfer Protocol, kurz HTTP – geht auf den britischen Physiker und Informatiker Tim Berners-Lee zurück.

Ab 1989 tüftelte er am europäischen Kernforschungsinstitut Cern in Genf an einem System, das den Datenaustausch vereinfachen sollte. Unterstützung bekam er von seinem Kollegen Robert Cailliau. Das in den Siebzigerjahren von Militärs entwickelte Internet sollte für einen grösseren Kreis nutzbar gemacht werden. Im Blick hatte Berners-Lee damals aber noch nicht Privatnutzer, sondern die Forschungsgemeinde.

Das Projekt hiess zuerst «Mesh» (engl. Geflecht). Der Name wurde aber verworfen, da er zu sehr an «Mess» (engl. Unordnung) erinnerte. Schliesslich legte Berners-Lee sich auf «World Wide Web» fest, obwohl er von Kollegen gewarnt wurde, dass die im Englischen zungenbrecherische Abkürzung WWW den Erfolg gefährden würde. Doch «Web» erschien ihm als Bild besonders passend, da es in der Mathematik ein Netz von Knoten bezeichnet, von denen jeder mit jedem verbunden sein kann.

Schritt an die Öffentlichkeit

Nach zwei Jahren war es am 06. August 1991 so weit. Tim Berners-Lee veröffentlichte in sogenannten Newsgroups eine Beschreibung seines Projekts «World Wide Web». Der Beitrag erklärte, wie Interessierte den von ihm entwickelten Browser herunterladen konnten und schlug ihnen vor, Berners-Lees erste Website aufzurufen (hier zu sehen).

Die war zwar bereits im Jahr zuvor aufgeschaltet worden, aber erst mit Berners-Lee digitaler Einladung wurde sie erstmals ausserhalb des Cern zugänglich. Sie erklärte, wie HTTP funktionierte, wie das Internet nach Informationen abgesucht werden konnte und gab einen Leitfaden für das Programmieren eigener Websites.

Mosaic bringt den Durchbruch

Im April 1993 legte das Cern dann mit einem wichtigen formalen Akt das Fundament für den Erfolg von Burners-Lees Erfindung. Das Institut gab das Web für die Öffentlichkeit frei und verzichtete auf Lizenzzahlungen oder eine Patentierung.

Der Siegeszug des World Wide Web Mitte der Neunzigerjahre fand dann vor allem in den USA statt. Zu Popularität weit über den Kreis von Physikern und Informatikern hinaus verhalf dem WWW der Browser «Mosaic», den der damalige Student Marc Andreessen 1993 entwickelte.

Mosaic, ein Vorgänger von Netscape, war auch für Laien geeignet und konnte zudem erstmals Texte mit Grafiken anzeigen. Schon Ende 1994 surften weltweit zehn Millionen Menschen im Web.

Für Microsoft-Gründer Bill Gates war das WWW damals noch «nur ein Hype». Doch bald erkannte auch der Softwarepionier das Internet als strategisches Feld – und ab 1995 war der Browser «Internet Explorer» von Microsoft auf Rechnern mit dessen Software automatisch installiert.

Verzicht auf Patentierung

Das ganz grosse Geld machte der Erfinder des World Wide Web, Tim Berners-Lee, nie. Er verzichtete auf die Patentierung und daraus resultierende Einnahmen, um die Entwicklung des Web nicht durch Copyright-Auseinandersetzungen und konkurrierende Techniken zu behindern. Immerhin erhielt Berners-Lee für seine Erfindung den mit einer Million Euro dotierten Millennium-Technologiepreis. Für seine Verdienste wurde der Brite von Königin Elisabeth II 2004 zudem in den Ritterstand erhoben und erhielt den Orden «Knight Commander of the Order of the British Empire». Sir Tim Berners-Lee lebt heute in den USA und lehrt am Massachusetts Institute of Technology. Dort leitet der 61-jährige auch das World Wide Web Consortium (W3C). In diesem Gremium werden die technischen Entwicklungen des Web standardisiert. Der Einsatz für ein freies Internet und für einen Netzzugang für alle Menschen prägt seine Arbeit bis heute. (sda)